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Donnerstag, 15. April 2010

Gegen Windmühlen

(...)Erst kamen die Quartiersmanager, dann die Ganztagsschulen. Rund 50 Millionen Euro fließen jährlich in zusätzlichen Sprachunterricht, nicht weniger in kostenlose Kitas. Und weil man den Kitabesuch nicht vorschreiben kann, werden die Kinder inzwischen schon mit fünf Jahren in die Schule gezerrt. Immer nach dem Motto: Bloß weg von den Eltern, weg von den Milieus, in denen Bildung nichts wert ist, in denen ganztägig der Fernseher läuft und in denen morgens niemand aufsteht, um zur Arbeit zu gehen.

Inzwischen ahnt man, dass die Bemühungen ins Leere laufen. Zum einen wegen der stetig steigenden Zahl von Problemfamilien, zum anderen wegen der Halbherzigkeit vieler Reformen: Ein kostenloser Kitabesuch hat eben nur Sinn, wenn die Erzieher entsprechend ausgebildet sind. Die Schulpflicht für Fünfjährige kann nur Erfolg bringen, wenn es kleine Klassen und passende Räumlichkeiten gibt. Eine komplizierte Methode wie die Jahrgangsmischung kann nur gelingen, wenn sie beherrscht wird: Stattdessen wurde sie gegen den klaren Rat der Wissenschaft flächendeckend verordnet.

Die Ergebnisse dieser verfehlten oder halbherzigen Reformen werden jetzt geerntet. Sie bestehen aus Kindern, die nach drei bis fünf Jahren Kita und Schule noch keinen fehlerfreien Satz sprechen können. Die keine Vergleichsarbeit schreiben können, weil sie noch nicht einmal den Text der Aufgabenstellung verstehen. Langsam ahnen die ersten Wissenschaftler, dass man in Deutschland eine spezielle „Unterschichtenpädagogik“ braucht, um bei den Heerscharen von Hartz-IV-Kindern überhaupt noch etwas zu erreichen. (...)

http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/gegen-windmuehlen/1791242.html


Baptisten-Mütter müssen hinter Gitter

(...) Acht Tage hinter Gittern nehmen die Frauen auf sich, statt ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro zu zahlen, wie es vom Amtsgericht Paderborn im Mai 2008 verhängt worden war – ausdrücklich mit Blick auf die in Deutschland geltende Schulpflicht. In einer offenen und liberalen Gesellschaft habe man sich an die Gesetze zu halten, schrieb damals der Amtsrichter den Eltern ins Stammbuch, die sich bei ihrem Unterrichtsboykott auf ihre Glaubensrechte bezogen und das Theaterstück als "schädlich und unnötig" eingeschätzt hatten. (...)

(...) Im Kreis Paderborn stehen 60 weitere Verfahren zur Bearbeitung an. Auch in diesen Fällen hielten die Eltern ihre Kinder von der Schule fern, als Theaterstücke wie Hans Christian Andersens Schneekönigin oder Sexualkundeunterricht auf dem Stundenplan standen. Doch die Aktenberge vermögen die Obrigkeit nicht zu erschüttern. "Wir wollen die Schulpflicht gewährt wissen", sagt Kreis-Presseprecherin Michaela Pitz. "Und die werden wir im Rahmen unsere Möglichkeiten durchsetzen."

http://www.nw-news.de/lokale_news/paderborn/kreis_paderborn/3491633_baptisten_muetter_muessen_hinter_gitter.html

CDU genehmigt Minarette – aber bitte nicht zu hoch

(...) Wie Monika Grütters, einzige Frau im Präsidium der Berliner CDU, es sagte: Gleichberechtigung, Schulpflicht sowie die Trennung von Staat und Kirche seien „nicht verhandelbar“. Und Parteivize Burkard Dregger erinnerte sich und seine Leute daran, dass die CDU „die einzige Partei“ sei, die „die Sorgen der einheimischen Bevölkerung“ im Blick habe – „Überfremdung“, steigende Kriminalität, Missbrauch der Sozialsysteme. Bei aller Offenheit können und wollen die christdemokratischen Integrationspolitiker nicht vergessen, woher sie kommen: Die deutsche Staatsbürgerschaft bleibt das Ideal – und „die Bauherren von Gotteshäusern sind gut beraten, wenn sie ihre Bauvorhaben in die umliegende Bebauung einfügen“. (...)

http://www.tagesspiegel.de/berlin/cdu-genehmigt-minarette-aber-bitte-nicht-zu-hoch/1791592.html

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