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Samstag, 15. Mai 2010

Klage für Ethik an der Grundschule

Mehr als die Hälfte der Schüler der Karoline-Kaspar-Schule in Freiburg gehören keiner Konfession an. Ein Anteil, der die Einführung eines adäquaten Ersatzunterrichtes für das Fach Religion eigentlich selbstverständlich machen sollte. Da das Kultusministerium Baden-Württemberg hier allerdings ganz anderer Auffassung ist, wurde jetzt von Seiten der Eltern Klage eingereicht.(...)

(...) Württemberg im bundesweiten Vergleich ganz hinten. Bereits in sechs Bundesländern gibt es einen Ethikunterricht ab der 1. Klasse. In weiteren fünf Ländern wird das Fach Ethik zumindest ab der fünften Klasse angeboten.

In Baden-Württemberg ist Ethik erst ab der 8. Klasse vorgesehen und daran hält das Land nicht nur eisern fest, es weigert sich zudem, auch nur anzuerkennen, dass hier ein Problem vorliegt. (...)

(...) Durch die Weigerung, einen konfessionsfreien Ethikunterricht anzubieten, dränge das Land Baden-Württemberg die konfessionsfreien Schüler dazu, so die Argumentation, sich konfessionell zu orientieren. Damit liege ein Eingriff in die negative Glaubensfreiheit aus Art. 4 GG sowie ein Verstoß gegen das in Art. 140 GG i.V.m. Art. 136, 137 WRV garantierte Neutralitätsgebot vor.

Indem der Staat über die Einführung der Schulpflicht einen großen Teil der Bildung und Erziehung der Kinder an sich gezogen hat, habe er sich verpflichtet, alles hierzu Erforderliche tatsächlich auch zu leisten. Art. 7 GG über das Schulwesen, „normiert nicht nur eine Pflicht, Kinder in die Schule zu schicken, sondern auch eine Pflicht des Staates, eine umfassende schulische Bildung auch anzubieten”. Explizit betrifft dies die ethische Erziehung bzw. Bildung, zu der sowohl in der baden-württembergischen Verfassung (Art. 12) als auch in den Leitzielen des Schulgesetzes (§ 1) angehalten wird. (...)

(...) Allgemein wird in der Klage darauf verwiesen, dass für die ethische Bildung die Auseinandersetzung mit anderen Positionen und Auffassungen wesentlich sei. Nur so könnten Kinder lernen, ihre eigene Position zu begründen und die Auffassung anderer zu werten. Dies könne nicht in der Familie geleistet werden, sondern nur in größeren, heterogen zusammengesetzten Gruppen Gleichaltriger, wie sie in einer Schulklasse gegeben sind. Das aber heißt: „Wenn ein solcher Unterricht in der Schule nicht angeboten wird, findet eine entsprechende Bildung der Kinder nicht statt.“ (...)

http://hpd.de/node/9459?page=0,0

Mittwoch, 21. April 2010

Das OB-Wahl-Interview: Günter Rausch

Günter Rausch:
(...) "Heute ist es so, dass vor allem Kinder aus benachteiligten Milieus – Familien mit Migrationshintergrund und auch Kinder aus Arbeiterfamilien und so genannten bildungsfernen Milieus – in der Schule kaum eine Chance haben. In Gymnasien sind die Kinder aus bürgerlichen Familien sowieso schon privilegiert, auf der Hauptschule finden sich die Kinder von Migranten und Arbeitern wieder. " (...)

(...) "Wir brauchen Schulsozialarbeiter und – was vor allem in Freiburg völlig fehlt – eine Eltern- oder Familienbildung. Man muss ganz früh mit den Eltern arbeiten. Solange die Kids zu Hause nicht gefördert werden, sondern durch andere Deutungsmuster und kulturelle Hintergründe geprägt werden, die von denen in der Schule abweichen, muss es scheitern. Nichts kann auf Dauer funktionieren, wenn man die Eltern nicht mit einbezieht." (...)

(...) "wir brauchen neue Lernziele. Kinder müssen nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sie müssen lernen, ihre eigene Idee des Lebens, ihre Zukunft zu gestalten. Und dazu braucht es mehr als Mathematik, Geschichte, Biologie uns so weiter. Der Fächerkanon ist nicht so aufgestellt, dass die Kinder von heute vorbereitet werden auf die Herausforderungen von Übermorgen."  (...)

(...) "Die Ausbildungssituation in Freiburg ist skandalös. Nur 11 Prozent der Hauptschüler in Freiburg haben eine Lehrstelle. Ich finde das unerträglich. Sie werden in Berufsvorbereitungsjahren und ähnlichem auf Halde gelegt, bis sie aus der Schulpflicht draußen sind. Die meisten werden in eine Warteschleife gesteckt und nur Wenige haben eine Perspektive auf eine Lehrstelle, das finde ich wirklich schlimm." (...)

(...) "Wir glauben, dass vor allem die Mitbestimmung der Kinder und Jugendlichen in den Schulen stattfinden muss. Das ist die wichtigste Innovation. Man muss dort hingehen, wo die jungen Menschen sind. 25.000 sind täglich in der Schule – und diese muss mehr sein als nur Vermittlung von Lesen, Schreiben und Lernen. Schule muss der Ort sein, wo Demokratie geübt und gelernt wird. Dort müssen auch kommunalpolitisch relevante Dinge und Themen diskutiert werden. Meine Idee ist es, regelmäßig in den Schulen Mitwirkungsverfahren für die Kindern und Jugendlichen durchzuführen." (...)

http://fudder.de/artikel/2010/04/20/das-ob-wahl-interview-guenter-rausch/


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