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Sonntag, 11. April 2010

Schwerpunktthema: Ohne Abschluss kein Anschluss

(...) In die Jugendwerkstatt kommen in der Regel Abgänger der Klasse 9, denen der Schulabschluss aufgrund schlechter Noten fehlt. Andere haben aber auch nur die achte Klasse abgeschlossen, aber die zehn Jahre Schulpflicht schon erfüllt. Für sie ist die Schule nicht mehr zuständig. Doch nur sehr selten sind es echte Lernschwächen, die dazu führen, dass Jugendliche im Bildungssystem hängen bleiben. In der Regel sind es soziale Nachteile, die für die Jugendlichen zum Stolperstein an der so genannten "ersten Schwelle", dem Hauptschulabschluss werden. (...)

(...) Marc Haine:

"Wenn ich merke, ich kann mit meinen Händen was bewegen, und dann ist es vielleicht ganz sinnvoll, wenn ich das vorher auch ausrechnen kann, was ich da hinterher fertig haben will - das hinzukriegen, diesen Transfer hinzukriegen um die Motivation zu wecken, ich möchte gern in diese berufliche Richtung gehen. Und wenn junge Menschen dieses Ziel haben, dann sind sie natürlich eher bereit ein vorgestelltes Ziel erstmal zu erfüllen und zu sagen: ich mach noch mal den Schulabschluss nach." (...)

(...) Dabei fehlt ihnen nicht nur das Versetzungszeugnis, sagt Christiane Lehmann, Tischlerin und Sozialpädagogin im Handwerkerinnenhaus Köln

"Unsere Erfahrung ist, dass die Jugendlichen sich nicht wahrgenommen fühlen, häufig auch im Elternhaus. Häufig auch vernachlässigt werden, also auch ohne Frühstück ohne gute Nahrung in die Schule geschickt werden, als Person nicht wahrgenommen werden und das versuchen wir in unseren Kursen auch zu verändern ihnen zu zeigen, du kannst was, du bist was, du kannst was werden, wenn du dich gut reinhängst." (...)

(...) Divina: "Aber ganz, ganz oft ist so, dass ihnen Selbstwertgefühl fehlt, Selbstbewusstsein fehlt. Das ist das eigentliche Merkmal. Wenn lange Zeit in den Jahren von Schule, von Zuhause gespiegelt bekommen, eigentlich haste nix drauf. Und das schluckt man dann irgendwann und dann ist es so. Und eine zentrale Aufgabe von uns muss sein, den Jugendlichen wieder Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu vermitteln "Ich kann doch was". Und eine ganze Menge können auch." (...)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/pisaplus/1159045/


Samstag, 10. April 2010

Schwerpunktthema: Ohne Abschluss kein Anschluss

(...) Viele Tausend Jugendlichen in Deutschland verlassen das Bildungssystem ohne Abschlusszeugnis, im Jahr 2007 waren es bundesweit acht Prozent.

Die Gründe für ihre Lernschwierigkeiten und das Überkreuzliegen mit Schule und Arbeitsmarkt sind vielschichtig: Sie kommen aus Familien, die nicht die nötige Unterstützung beim Lernen geben konnten und haben oft schon lange zuvor heimlich resigniert und die Schule verweigert. Wer zudem Schulden hat, wohnungslos ist oder ohne Drogen nicht mehr auskommt, bleibt auch im Bildungssystem bald stecken. (...)

http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/pisaplus/1159045/

Dienstag, 6. April 2010

Die alternde Gesellschaft - Migration als Chance

Teil 4 der Serie über die Auswirkungen des demografischen Wandels


(...) Es muss gegengesteuert werden, sagt Bildungsforscherin Ilona Riesen - und zwar so früh wie möglich.

"Das Schulsystem, die Bildung allgemein ist ein kumulatives System. Das heißt, etwas, was in Kinderjahren nicht gelernt wurde, bleibt als Lücke da und diese Lücke wird immer größer im Unterschied zu den anderen Kindern. Und Defizite sammeln sich einfach über Jahre. Und so ist das bei Migranten-Kindern natürlich auch: Sprachliche Defizite lassen sich im späteren Verlauf, also zum Beispiel in der Hauptschule, kaum noch reduzieren ohne entsprechende externe Förderung." (...)

(...) Nordrhein-Westfalen war 2007 eines der ersten Bundesländer, das eine solche Sprachstandserhebung flächendeckend einführte. Schulministerin Barbara Sommer, CDU, sagte damals:

"Die Zielsetzung ist klar: dass jedes Kind der Unterrichtssprache Deutsch folgen kann, wenn es in die Schule kommt. Die ist eindeutig und die ist auch nicht zu verwässern und da kann man auch nicht sagen: Ach, das hab ich so nicht gewusst, sondern das ist wirklich die Zielsetzung, dieser Zielsetzung stellen wir uns."

Ein hoher Anspruch, der von der Landesregierung auch formal untermauert wurde, indem per Gesetz in die Elternrechte eingegriffen wurde: Seit drei Jahren muss jeder 4jährige verpflichtend zum Sprachtest.

"Es ist Zwang, es ist vorgezogene Schulpflicht, die eben auch mit einem Bußgeld belegt wird. Allerdings würden wir sicher nicht so weit gehen, dass wir sagen, also, wir fordern Ordnungskräfte auf, uns dabei zu helfen. Wir müssen sehen, dass wir die Eltern kriegen. Dass sie davon überzeugt sind, dass das für die Kinder ne Chance ist, denn die Kinder wollen sicherlich gerne."(...)

(...)Gute Schulnoten und soziales Engagement sind die Auswahlkriterien der Stiftung - dann können die Schüler maximal fünf Jahre lang bis zu ihrem Abschluss gefördert werden.(...)

(...)die Lage ist dramatisch für viele der Jugendlichen. Sie fühlen sich, sagt Uwe Schulze, systematisch ausgegrenzt.

"Schwierig ist glaube ich vor alle, dass viele das Signal bekommen haben: Na ja, ob ihr hier so richtig seid, das wissen wir gar nicht. Und es wird ganz viel über die Probleme gesprochen - darüber, dass die Sprache nicht richtig beherrscht wird. Darüber, wie es in den Familien zugeht oder wie die Eltern sich kleiden oder ähnliche Dinge. Bei vielen ist also so etwas angekommen wie die Botschaft: Eigentlich sind wir hier nicht so ganz erwünscht. Und das ist sehr schade und das vermitteln wir ihnen zum ersten Mal so richtig erlebbar mit dem Stipendium, mit der Aufnahme in dieses Programm, dass sie das Gefühl bekommen: Au ja, da sieht jemand, wir haben was drauf, und das wird auf einmal auch gewürdigt und wir können hier mal richtig zeigen, was in uns steckt, ohne andauernd gebremst zu werden mit irgendwelchen Dingen, die uns verletzen, ins Grübeln bringen und halt nicht so richtig motivieren." (...)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1156255/

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